Gemeindeversammlung zu #churchforfuture

Offene Diskussion in der Christuskirche

Die Gemeinde engagiert sich aktiv und öffentlich für den Umweltschutz. Darüber darf diskutiert werden!

Offenheit für verschiedene Meinungen ist derzeit eher selten, unsere Debatten sind häufig davon geprägt, dass vor allem Menschen gleicher Meinung miteinander reden. Der Kirchenvorstand der Christuskirche wollte hier ein Zeichen setzen für Offenheit und Toleranz gegenüber vielfältigen Meinungen. Daher hat die evangelische Kirchengemeinde am Sonntag, 16. Februar, nach dem Gottesdienst eine Gemeindeversammlung abgehalten. Dazu wurde auch öffentlich und über die sozialen Medien eingeladen, um die verschiedenen Meinungen über ihr Engagement unter dem Label #churchforfuture hörbar werden zu lassen.

Gefolgt sind der Einladung, wie Pfarrer Herold mit Bedauern bemerkte, wenig Menschen von außerhalb der Gemeinde. So kontrovers, wie das Thema in Selb diskutiert wurde, hatte er auf mehr Kritiker gehofft. Doch auch innerhalb der eigenen Gemeinde waren nicht nur alle Altersgruppen vertreten, sondern auch verschiedenste Meinungen kamen zu Wort.

Zur Eröffnung verwies Pfarrer Herold auf die lange Geschichte des evangelischen Umweltengagements. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat auf dem Kirchentag 1985 den Aufruf des Physikers und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker aufgenommen und den Konziliaren Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung begonnen. Die Christuskirchengemeinde hat sich diesen Bemühungen angeschlossen und gehört zu den ersten Gemeinden in Bayern, die mit dem Umweltmanagementsystem „Grüner Gockel“ ausgezeichnet wurden. „In dieser Geschichte der evangelischen Kirche ist das aktuelle Engagement der Gemeinde ein logischer Entwicklungsschritt“ sagt Pfarrer Herold. Dass die Kirche hierfür kritisiert wird, hat durchaus auch für Verwunderung bei vielen Menschen gesorgt.

Um die freie Meinungsäußerung zu erleichtern, waren die Teilnehmer zunächst eingeladen, ihre Kritikpunkte – aber natürlich auch Zustimmung – in schriftlicher Form einzureichen. Somit konnten die Anwesenden ihre Meinung im Schutz der Anonymität äußern und diskutieren lassen. Nachdem alle schriftlichen Äußerungen vorgelesen waren, entspann sich dann aber trotzdem eine lebhafte Diskussion über die verschiedenen Themen, in der alle Meinungen sachlich und offen geäußert werden konnten.
Einer der Kritikpunkte war die Tatsache, dass die Kirchengemeinde gemeinsam mit politischen Parteien zu einer Kundgebung aufgerufen hat. Nachdem dem Aufruf der Christuskirche nicht alle eingeladenen demokratischen Parteien gefolgt sind, sah es so aus, als wollte die Kirchengemeinde nur mit einer bestimmten politischen Spektrum zusammen arbeiten. Pfarrer Herold verwies darauf, dass dieser Eindruck von Seiten der Gemeinde nicht so gedacht war. Vielmehr sollte das gesamte Spektrum der politischen Parteien als Mitveranstalter gewonnen werden. „Nachdem das leider nicht geklappt hat, haben wir beschlossen, künftig zu Kundgebungen unter dem Motto #Selbforfuture einzuladen und keine Parteienlogos mehr auf die Plakate zu setzen.“ So skizziert Herold die Zukunft der Kundgebungen in Selb, die am 24. April fortgesetzt werden sollen. Damit konnte ein wichtiger Kritikpunkt an dem Engagement der Gemeinde ausgeräumt werden.
Gefragt wurde ebenfalls, welche Schwerpunkte die Kirchengemeinde mit ihrer Arbeit setzt. Zum Teil wurde die offensive Umweltarbeit stärker wahrgenommen, als die vielfältige Arbeit in den Bereichen Seelsorge oder Gemeinschaft.  

Uneinig blieben die Anwesenden über die Frage, ob Predigt politisch sein dürfe, oder nicht. Die einen sahen eine Gefahr für Predigten darin, politisch zu werden. Mitglieder des Kirchenvorstandes hielten dagegen: „Politik heißt erstmal ‚öffentlich‘, nicht ‚bestimmte Parteien‘. Was ich als Christ glaube, darf doch auch öffentlich gezeigt und gelebt und bezeugt werden. Das muss doch möglich sein.“

Bei der Gemeindeversammlung im Saal der Christuskirche waren die positiven Meinungen zum Umweltengagement der Gemeinde weit in der Mehrheit. Und auch viele kritische Stimmen betonten, dass sie selbst den Umweltschutz sehr wichtig finden und persönlich leben. Wichtig war für Pfarrer Herold als Fazit die Erkenntnis, dass es möglich war, sachlich über ein sehr kontroverses Thema zu diskutieren und auch verschiedene Meinungen innerhalb der Gemeinde auszuhalten und stehen lassen zu können.